Agilität und Selbstorganisation

Leider werden aktuell die Begriffe Agilität und Selbstorganisation überstrapaziert und oftmals selbst zu Komplexitätstreibern.

Denn nüchtern betrachtet erfordern beide Ansätze einen erhöhten Abstimmungsbedarf, damit eine Organisation nicht von einem lokalen Optimum zum nächsten “torkelt”, sondern das eigentliche Unternehmensziel im Fokus behält. Davon abgesehen, dass manche Organisation vom Ausflug in die Selbstorganisation schon wieder zurückkehrt, lohnt sich auch der Blick in die Vergangenheit: Das virtualisierte Unternehmen und die Vertrauensorganisation, wie sie Ende der 80er und Anfang der 90er propagiert wurden, haben im Kern eine ähnliche Argumentationslinie verfolgt. Im Spannungsfeld Mensch-Technik-Organisation sind die Konzepte aber am Faktor Mensch gescheitert. Unabhängig davon, dass die für die Selbstorganisation erforderliche konsequente Ergebnisverantwortung mit unserem Arbeitsrecht nur bedingt vereinbar ist, hat sich der Mensch in den vergangenen 30 Jahren auch nicht grundlegend geändert. Denn noch nüchterner betrachtet, ist die aktuell so viel gepriesene Agilität und Selbstorganisation mehr oder weniger eine Kapitulation des mittleren Managements vor der selbst geschaffenen Komplexität. Also muss das Ziel die konsequente Reduktion der Komplexität sein. Und dies ist sicherlich keine Aufgabe, die sich durch innerbetriebliches Konkurrenzgerangel selbstorganisierend löst. Sondern Grundlage für die Reduktion der Komplexität ist, diese im Sinne des Change Controllings zu steuern und die hieraus resultierenden Freiheitsgrade der Selbstorganisation und “Agilisierung” zu nutzen.

Die Nutzung der Vorteile agiler Ansätze werden im Change Control Model durch das Ebenenkonzept unterstützt. Beschreibt dieses auf organisatorischer Ebene, was zu tun ist, bietet die Mitarbeiterebene Diversifikationsgrade bei der Ausgestaltung, wie gearbeitet wird. Jedoch auf der Ressourcenebene erfolgt wieder eine Harmonisierung, wenn die für die Umsetzung erforderlichen Ressourcen – technische Ressourcen und Humanressourcen – zur Verfügung stehen und effizient genutzt werden müssen. Insgesamt ist Agilität und Change Controlling kein Widerspruch, sondern eine jeweils notwendige Ergänzung.